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Erna de Vries auf Besinnungsfahrt

„Du wirst überleben und erzählen, was man mit uns gemacht hat.“

Im Dezember fuhren wir mit den 12ern der St.-Johannis-Schule auf Besinnungsfahrt in den Marstall Clemenswerth nach Sögel und bekamen an einem Abend auch Besuch von Erna de Vries, einer Holocaustüberlebenden, die bereit war unsere Fragen an sie zu beantworten.
Erna de Vries, geborene Erna Korn, wächst in Kaiserslautern bei ihrer jüdischen Mutter auf. Ihr christlicher Vater ist früh verstorben. Von der Reichspogromnacht bleiben sie nicht verschont. Ihr Haus wird verwüstet und ihr Eigentum zerstört. 1943 soll Erna de Vries Mutter deportiert werden und Erna verlangt mitkommen zu dürfen. Beide werden erst in ein Gefängnis, dann ins KZ Auschwitz-Birkenau gebracht. Dort erkrankt Erna de Vries und muss in den Todesblock. Wie durch ein Wunder überlebt sie, denn sie wird ins KZ Ravensbrück versetzt. Man hat herausgefunden, dass sie ein „jüdischer Mischling ersten Grades“ ist. Zum letzten Mal sieht sie ihre Mutter, die ihr mit auf den Weg gibt: „Du wirst überleben und erzählen, was man mit uns gemacht hat“.
Erna de Vries überlebt Ravensbrück und den Todesmarsch. Ihre Mutter verstirbt im KZ Auschwitz-Birkenau.

Heute besucht Erna de Vries vor allem viele Schulklassen, um ihre Geschichte zu erzählen und Fragen zu beantworten, um aufzuklären und die Verbrechen des Nationalsozialismus niemals in Vergessenheit geraten zu lassen. Mit ihren Antworten beeindruckt sie viele Schüler und auch ihre optimistische Sichtweise scheint vielen eigenartig in Anbetracht des Schreckens und Leids, das ihr wiederfuhr. Sie verspüre keinen Hass, höchstens Genugtuung, wenn sie ihre glücklichen Kinder und Enkelkinder ansehe und sie wünscht sich eine Gesellschaft, in der jeder respektiert wird. Ihre Worte klingen noch nach, auch wenn wir schon wieder Zuhause sind und die Begegnung mit ihr bleibt unvergesslich.

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